Am Freitag, dem 28.08.2026, war es endlich so weit: Mit der Grundsteinlegung an der Mega-Baustelle am Bussebart wurde ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zum neuen Volkstheater vollzogen. Rund hundert geladene Gäste waren dabei. Vor der Grundsteinlegung in der Baugrube gab es einen kleinen Festakt, den der singende Schauspieler Frank Buchwald eröffnete – mit seiner Interpretation des Chansons „Theater“ von Katja Ebstein, begleitet von John R. Carlson am Klavier.
Die Betriebsleiterin der KOE, Sigrid Hecht, die für den Neubau verantwortlich ist, nahm in ihrer Rede Bezug auf das Theaterstück „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett, das die Situation des langjährigen Hin und Her auf den Punkt bringt: Man wartet auf ein neues Theater, aber lange Zeit wusste man nicht, ob, wann und wie es tatsächlich kommt.
Spätestens mit dem Beschluss der Bürgerschaft vom November 2023 war aber die Hoffnung groß, dass sich das Warten gelohnt hat und dass es nun auch losgehen konnte. Und so ist die Grundsteinlegung ein Meilenstein, mit dem auch deutlich wird, dass es nun kein Zurück mehr geben kann. Das Neubauprojekt liegt bisher im Plan, und Frau Hecht war es besonders wichtig zu betonen, dass die Kosten bis dato sogar unter dem Plan liegen.
Ihr Dank galt schließlich allen, die zum Entstehen dieses neuen Theaters beigetragen haben: der Landesregierung, der Stadt Rostock mit Oberbürgermeisterin und der Bürgerschaft, dem Intendanten des Theaters und allen Theaterschaffenden, den Freunden und Förderern des Theaters, aber auch den Architekten, Ingenieuren und Fachplanern sowie den Handwerkern, den Arbeiterinnen und Arbeitern der Baubetriebe, die täglich dazu beitragen, dass das Projekt nun umgesetzt werden kann.
Zum Ende ihrer Rede gab es noch einen Vergleich mit der Literatur: Nun könne man von einer Odyssee reden; das Ziel Ithaka sei greifbar geworden: als neues Volkstheater mitten in der Stadt – auf keinem leichten, aber nun doch erkennbaren Weg.
Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, erkannte in diesem Theaterneubau ein wichtiges Symbol für die Förderung von Kultur und die Verbindung von Tradition und Moderne. Das Volkstheater werde zu einem neuen Leuchtturm für die Hansestadt Rostock – im Einklang mit anderen Projekten und nicht gegen sie
Mit dem Theaterpakt sei es möglich geworden, endlich diese neue Spielstätte zu errichten. Auch sie nahm Bezug zum Theater: „The time is now“, um ein Zeichen zu setzen für Kunst- und Kulturfreiheit in Zeiten, in denen diese in Bedrängnis zu geraten scheinen. Politik sei dazu da, die Kultur zu unterstützen, aber nicht in die Kultur hineinzuregieren. Und ganz wichtig: Politik müsse Kritik aus der Kultur aushalten.
Auch die Oberbürgermeisterin, Eva-Maria Kröger, griff noch einmal das „Warten auf Godot“ auf – im Fachjargon ein absurdes Theaterstück, was durchaus Ähnlichkeiten mit der Realität des langen Weges der Theaterplanung aufweise. Aber nun mit der Grundsteinlegung sei das absurde Theater vorbei: Was für ein glücklicher Tag nach allem Zögern und Zaudern; nun sei es ein Warten voller Vorfreude und Dankbarkeit.
Ralph Reichel, der Intendant, ging schließlich auf die Wünsche seiner Vorrednerinnen ein. Frau Hecht hatte angeregt, das Volkstheater im Dezember 2029 mit der 9. Symphonie von Beethoven zu eröffnen, und Frau Schwesig bot dann an, den Neujahrsempfang der Ministerpräsidentin 2030 im neuen Volkstheater zu machen. Wenn er auch keine weiteren Aussagen zu konkreten Spielplanungen machen wollte, machte er deutlich, dass diese beiden Wünsche durchaus erfüllt werden könnten.
Er musste sich in den letzten Tagen oft selbst kneifen, um zu glauben, dass nach 80 Jahren Theater in einem Provisorium ein Ende gekommen sei, der nun ein Anfang ist. Trotz Gegenwind gab es auch immer wieder Rückenwind – und letzterer führte schließlich zu diesem Tag mit der Grundsteinlegung, der auch eine riesengroße Verpflichtung für alle Beteiligten bedeute.
Nach dem kleinen Festakt begaben sich dann die Hauptbeteiligten in die Baugrube, wo die Zeitkapseln mit den Wünschen der Politiker und der Theaterzuschauer für das neuen Theater eingemauert wurden. Auf dem Gelände gab es noch die Möglichkeit, in einem Pavillon eine Ideenwerkstatt, das neue Theater mittels Virtual-Reality-Brillen und die weitere Planung anhand eines Zeitstrahles zu erleben.
Für die Mitglieder unseres Vereins, die wegen der begrenzten Anzahl an geladenen Gästen an der Grundsteinlegung selbst nicht teilnehmen konnten, gab es am Nachmittag noch auf dem Theatervorplatz die Möglichkeit zum Austausch über diesen weiteren Meilenstein.
Ralph Reichel und unsere Vorsitzende, Dr. Doris Geiersberger, bedankten sich für die Unterstützung aus dem Kreis der Mitglieder und würdigten noch einmal die Bedeutung dieses Tages für das Volkstheater in Rostock. So wurde die Grundsteinlegung nicht nur zu einem symbolischen Akt, sondern auch zu einem Moment der Vergewisserung: Das neue Volkstheater nimmt Gestalt an – und mit ihm die Hoffnung auf einen lebendigen Kulturort für die ganze Stadt.
DSCN0155
DSCN0160
DSCN0151
DSCN0181
DSCN0184
DSCN0186
DSCN0177
DSCN0190
DSCN0169
DSCN0165
DSCN0162
DSCN0166
DSCN0158
DSCN0191
DSCN0206
DSCN0201
DSCN0194
DSCN0193
DSCN0198
DSCN0195
Text: Bernd Umbach
